GRÜEZI

«Ich hätte gern einen kürzeren Brief geschrieben, aber hatte dafür nicht die Zeit.»


Von wem das Zitat stammt, ist nicht gesichert. Es wird allen möglichen Gelehrten und Dichtern, von Blaise Pascal über Jonathan Swift bis Goethe, zugesprochen. Aber ist es denn wichtig? Der Satz ist wichtig, nicht der Urheber oder die Urheberin. Und er trifft ins Schwarze: Schnell Gedachtes braucht mehr Wörter und bleibt dennoch ungenauer als fein geschliffene, auf den Punkt formulierte Botschaften. Diese benötigen dafür oft mehr Zeit. Diese nehme ich mir für Sie. Als gelernter Journalist und Kommunikationsprofi, Autor und Texter ist es zudem mein Beruf, Stimmungen zu kreieren, Menschen zu berühren und zu gewinnen. Ich arbeite mit Text, Bildern und Ton. Auf Papier, auf Speichermedien und im Netz.

In meinem zweiten Beruf als Spezialist für Humanitäre Hilfe berate und unterstütze ich seit über zwanzig Jahren internationale Entwicklungsprogramme sowie professionelle humanitäre Hilfsaktionen in Katastrophen- und Krisengebieten auf der ganzen Welt.

Wollen Sie mehr wissen? Nehmen Sie Kontakt mit mir auf. ich freue mich auf Sie.

Herzlich, Fred Lauener

Ostafrikanisches Déjà vu

Abseits der Schlagzeilen sucht zurzeit eine extreme Dürre grosse Teile Ostafrikas heim. In einigen Regionen begleitet von kurzen aber schweren Stürmen. Im ländlichen Norden Kenias haben die von der Viehzucht lebenden Bauern und Nomaden bereits bis drei Viertel ihrer Herden verloren. Es droht eine Hungersnot. Vor ziemlich genau zehn Jahren plagte ebenfalls eine tödliche Dürre die Menschen am Horn von Afrika. Ich war damals als humanitärer Helfer selber vor Ort. Meine Bilder stammen aus den Regionen North Horr, Moyale, Marsabit und Wajir im Norden Kenias. Ich befürchte, dass die Fotos heute wieder sehr aktuell sind.
Das erste Bild zeigt die Umgebung der nordkenianischen Kleinstadt Marsabit mit „normaler“ Vegetation.

Gestrandet in Salloum

Reisen in „komplizierte“ Länder ist zurzeit coronabedingt schwierig. Deshalb erinnere ich mich heute an einen Einsatz vor genau zehn Jahren. Im Zuge des arabischen Frühlings kam es auch in Libyen zu einem Volksaufstand gegen Machthaber Muammar Gaddafi, den dieser schliesslich nicht überlebte. Hunderttausende Gastarbeiter verliessen damals das Land, auf der Flucht vor Mörderbanden, die sie pauschal als Gaddafigetreue jagten und jeden umbrachten, den sie fassen konnten. Ich half damals am libysch-ägyptischen Grenzposten bei Salloum mit, diese Menschen mit dem Nötigsten zu versorgen. Viele mussten wochenlang am Zoll ausharren, bis sie einen Platz in einem der Busse von UN- und anderer Hilfsorganisationen erhielten, der sie nach Kairo weitertransportierte. Am Nachmittag des 15. März 2011 schrieb ich in mein Notizbuch:
«Mittlerweile steht die Sonne tief. In spätestens einer Stunde müssen wir zurück in unsere Unterkunft in den kleinen Ort Sidi Barrani, eine gute Fahrstunde von hier. Aus Sicherheitsgründen fahren wir nur bei Tageslicht. Vorher reicht es noch für einen «head-count» der anwesenden Personen. Um planen zu können müssen wir wissen, mit wievielen Essern wir morgen zu rechnen haben. Wieviele Personen werden morgen in der Schlange für das Frühstück stehen? Wieviele konnten weiterreisen rsp. aus Salloum evakuiert werden? Wieviele Frauen, Kinder, Kranke oder alte Menschen sind da, denen wir das Anstehen in der Kolonne nicht zumuten wollen, sondern das Essen an ihre Liegeplätze vorbeibringen? Hat es Diabetiker, die kein Weissbrot essen dürfen? Und so weiter. Die Angaben, die wir täglich vom ägyptischen Zoll bekommen, sind ungenau. Einen Vorwurf können wir den Beamten deswegen nicht machen. Wie sollen sie eine vernünftige Statistik erstellen, wenn sich die Flüchtlinge zweimal, dreimal oder sogar viermal registrieren lassen? Mit jeweils einem anderen ihrer vielen Vornamen. Aus Verzweiflung und in der Hoffnung, damit ihre Chance zu verbessern, bald für den nächsten Bus, bloss weg von hier, ausgewählt zu werden. Wegen der schlechten Datenlage haben wir begonnen, selber zu zählen. Wir teilen das Camp in Sektoren auf, schreiten diese ab und zählen mit je einem Zweierteam Zehnergruppen. Das tun wir immer dann, wenn sich die grösste Gruppe im Camp, das sind hier die Tschader, am Rand der Zollanlage versammelt hat, wo die Namen der Glücklichen aufgerufen werden, die den Grenzposten am nächsten Tag verlassen können. Von einem nahen Dach fotografieren wir die Versammlung und zählen die Personen hinterher am Computer aus. Seit wir uns auf diese Weise selber helfen, müssen wir kaum mehr verdorbene Lebensmittel entsorgen.»