Rolf

Talking Blues

Hüt morge i de Isebahn han ich ihn wieder gseh
S isch alles wieder ufecho, und jetzt tuets wieder weh
Ha nöd gwüsst, dass er dusse isch, es hät mr’s niemerd gsäit
Ich wäiss nöd, was i säge söll, hey Rolf, es tuet mr Läid

Sit dänn, wo’s ihn händ ine gno und mich händ laufe laa
Will er meh Muet hät gha als ich, han au ich käi Rueh me gha
Ich hamer tuusig Vorwürf gmacht und ghofft, es göng verbii
Wänn statt em Max ich gschosse hett – Zum Glück ischs nöd so gsii

Mr fahred i de Isebahn
Es isch egal wohii
Mr wüssed womer her sind cho
Deet wämer nüme hii
Mr fahred i de Isebahn
Dur d Zit und dra verbii
Mr wüssed womer her sind cho
Nur nöd, was morn wird sii

Mr händ is gäge alles gwehrt und öis fascht alls erlaubt
Bald chäm, händs gsäit, d’Revolution, mir händ das alli glaubt
Deet obe, deet händs nume gschnorrt und suscht isch nüt passiert
De Rolf hät sich e Browning bsorgt, Zwänzg Jahr hät er kassiert

Mr fahred i de Isebahn
Und wüssed nöd wohii
Mr wüssed womer her sind cho
Und wer mir mal sind gsii
Mr fahred i de Isebahn
Dur d Zit und dra verbii
Mr wüssed womer her sind cho
Nur nöd, was morn wird sii

De Rolf isch hüt en alte Maa, hetti vill z’verzelle
Sie händ em aber d’ Stimm wäg gnoo, nüt meh ghöre welle
Siebehunderttuusig Stunde sind uf sim Tacho scho
Aber nur die paar Sekunde, wo’s gchlöpft hät, wäiss me no

Mr fahred i de Isebahn
Und wüssed nöd wohii
Mr wüssed womer her sind cho
Und wer mir mal sind gsii
Mr fahred i de Isebahn
Dur d Zit und dra verbii
Mr wüssed womer her sind cho
Nur nöd, was morn wird sii

Mir sind hüt mit de Isebahn zrugg womr mal sind gsi
Und wo mir nüme anewänd, s’isch trotzdem nöd verbi
Mr sind hüt mit de Isebahn ganz tüüf is Land vom Schmerz
Und mit de Hand, wo gschosse hät, berüehrt de Rolf mis Herz.

Lisetta und Tom

Menschen sterben nicht weit von hier
Man wirft Bomben auf sie nieder
Vom Frieden aber träumten wir
Sagten Nein zum Krieg: Nie wieder

Aus unsern Träumen aufgewacht
Wir fühlen Trauer, Wut und Scham
Wir fragen uns, wer sowas macht
Und wie es wieder soweit kam

Was ist der Grund für dieses Leid     
Was die Schuld auch von uns allen
Dass schöne Worte uns und Schneid
Immer wieder gut gefallen?

Menschen glauben gern dem Teufel
Und heben diesen auf den Schild
Erst viel später kommen Zweifel
Und man sieht Risse in dem Bild

Dann schalten wir das Radio aus
Weil dieses uns nur deprimiert
Wir brauchen Fröhlichkeit im Haus
Gerade, wenn soviel passiert

Der Reiz von aussen fehlt uns schnell
Und wir greifen in die Tasche
Das Telefon schreit laut und hell
Ein Land liegt in Schutt und Asche

Auch unsere Regierung spricht
Sie warnt uns vor schweren Zeiten
Es sei uns allen erste Pflicht
Dass auch wir uns vorbereiten

Das Öl wird knapp, der Strom geht aus
Vorbei sind die fetten Jahre
Lisetta sorgt sich um ihr Haus
Sanft streicht Tom ihr durch die Haare

Er schaut sie an und fragt sie dann
Was wohl bleibt noch unsern Kindern
Wer sonst, sagt sie zu ihrem Mann
Kann den Lauf der Welt verändern

Das Gute darf nicht aus der Welt
Und die Liebe ganz entschieden
Küss mich nochmal, denn das gefällt
Mir, der Hoffnung und dem Frieden

Wenn man älter wird

Wenn man älter wird
Bekommt man von Dingen
Die man damals kaum ertrug
Jetzt gar nicht mehr genug

Wenn man älter wird
Und lange Schritte kürzer
Wenn es nicht mehr eilt so sehr
Sieht man dafür viel mehr

Wenn man älter wird
Wird aus dem Morgen Heute
Wird aus Sommersprossen Laub
Auf der gegerbten Haut

Wenn man älter wird
Und man nicht mehr alles glaubt
Machen Anschein und Lüge
Nicht krank, aber müde

Wenn man älter wird
Möchte man, wenn man trauert
Und Abschiede sich mehren
Gern das Gestern ehren

Wenn man älter wird
Und von keinem Schmerz geplagt
Hat man für viel Neues Zeit
Und für die Dankbarkeit

Wenn man älter wird
Weil es die andern sagen
Lässt man doch, tut man’s glauben
Sich die Jugend rauben

Wenn man älter wird
Ist es ein Glück im Leben
Wenn man nehmen kann und gibt
Und geliebt wird und liebt

De Chrieg im Radio

Im Radio säit äin Hallo
Schön, losed Sie öis zue
Nöd wit vo öis häts wieder knallt
Döt gänds eifach käi Rueh
Mr mached echli Musig jetzt
Und nachher dänn es Spiel
Spänded Sie für die arme Lüüt
Und grübled Sie nöd z viel

Läider han i nüt zum Spände
Zum Grüble hani gnueg
Und de ganz Tag Zit, hey Chällner
Ich nimm nomal en Chrueg
Vor churzem händs mi use gschtellt
Will i z alt bin und z tüür
Dass i nümm jung und tifig bin
Cha d Bude nüt defür

Im Radio wird diskutiert
Öis länger chrampfe z’laa
En andre säit, Dänn müessted die
Aber au öppis z’schaffe haa
Mr mached echli Musig jetzt
Und nachher dänn es Spiel
Spänded Sie für die arme Lüüt
Und grübled Sie nöd z viel

Mr mached echli Musig jetzt
Nachher düemer spiele.
De Sound da us Amerika
Isch genial zum Chille

Wänn Sie öppis gwünne wänd
Händs gsäit im Radio
Lüted Sie is Studio a
Ich bin nöd durecho
Jetzt brichtets wieder vo däm Chrieg
Au Chind sind scho es Ziel.
Spänded Sie für die arme Lüüt
Und grübled Sie nöd z’viel

Mr mached echli Musig jetzt
Es isch Zyt zum Chille
De nögscht Song chunt us Afrika
Nachher düemer spiele

De ganz Tag schwätzets uf mi i
Hey Chällner no nen Chrueg
Und stelled Sie das Radio ab
Es langed, es isch gnueg
Er ghört mi nöd, er stellt sich taub
Ich glaub, es isch em gliich
S ganz Läbe lang gahts mr scho eso
Wer lost dänn scho uf mich

De nögscht Song chunt us Appezäll
De isch geil zum Tanze
Ganz langsam zerscht und dänn ganz schnäll
Ligg nöd ufem Ranze

Und dänn no äin us Rapperswil
Hey Chällner, no nen Chrueg
Wänn das de letztschti Tag söll sii
Dänn hani nonig gnueg

Vor Gericht

Ein Gedicht
Soll vor Gericht
Weil es nicht
Der Form entspricht.

Visionär
Sei zu prekär
Ordinär
Ist populär

Es ist Schund
Es ist nicht rund
Ist der Grund
Für den Befund

Den die Herrn
Uns gern erklärn
Und beschwern
Kann man sich gern

Und so steht
Der Vers und weht
Als Pamphlet
Das nichts gesteht

Das Gedicht
Wahrt sein Gesicht
Vor Gericht
Erscheint es nicht.