Teamspirit

Kurzreise nach Delhi. Professionelle einheimische IZA-Teams aus Indien, Bangladesch, Nepal, Kambodscha und Tadschikistan, haben sich eine Woche lang mit sozialen und politischen Entwicklungen in Zentral- und Südasien auseinandergesetzt, Trends analysiert und Handlungszenarien entworfen.

Dann hat es noch für den Besuch einer Veranstaltung des indischen Forums der Hausangestellten gereicht. Fast jede Familie in Indien, die es sich leisten kann, hält Hauspersonal, meistens Frauen. Die Arbeits- und Lebensbedingungen der Hausgangestellten sind oft sehr schlecht. Das Forum ist eine Art Gewerkschaft, gegründet und geleitet von (ehemaligen) Hausangestellten, welche den Hausangestellten zur Anerkennung als Berufsstand und damit zu mehr Rechten verhelfen wollen.

Wie nach Hause kommen

Bosnien-Herzegowina. Endlich bin ich wieder einmal da. Nach so vielen Jahren. Neben meinem offiziellen Reiseprogramm reichte es auch für den einen oder anderen freundschaftlichen Besuch. Bei den ehemaligen Kolleginnen und Kollegen an der Schweizer Botschaft. Fast zwanzig Jahre sind es her, seit ich das schöne, damals aber traurige Land verlassen habe.

Auf dem Spaziergang durch das Zentrum von Sarajevo komme ich an der Nationalgalerie vorbei, die damals, Ende der Neunziger Jahre, unmittelbar nach Kriegsende, eines der süssesten pièces de résistance unserer Arbeit war.

Was in Sarajevo den Abschied leicht macht, ist dieser Brunnen. Wer von ihm trinke, heisst es, kehre zurück in die magische Stadt.

Stimmt.

Der Mond von Bethlehem

Liebe Grüsse aus Palästina. Diese Woche lasse ich mich im Westjordanland und der schönen Stadt Jerusalem über Projektfortschritte informieren, diskutiere offene Fragen und verhandle über nächste Schritte, Budgets und Kommunikationslinien. Die Reise führt mich in einen Traumatherapie-Lehrgang an einer Universität, in zwei Primarschulen, in ein landwirtschaftliches Forschungslabor und in ein aufstrebendes Fairtradeprojekt.

Heute war ein langer Tag. Jetzt ist Feierabend. In meiner Unterkunft in Bethlehem büschele ich noch kurz meine heutigen Notizen und lasse dann in Gedanken nochmals den gestrigen Abend an mir vorbeiziehen. Gestern war ich bei einer befreundeten einheimischen Familie zum Essen auf der Terrasse ihres Hauses in der hochgelegenen Altstadt, hier in Bethlehem, eingeladen. Der Blick von dort über die Stadt ist wundervoll. Und als die Sonne unterging, ist zwar nicht der Stern, aber der Vollmond aufgegangen. Zu dem Läuten der Kirchenglocken und dem Gesang des Muezzins, die beide gleichwertig zu dieser Stadt gehören.

Erdbeben Italien: Aus den Medien aus dem Sinn

Lokaltermin in Mittelitalien, acht Monate nach den Erdbeben im letzten Sommer und nur fünf Autostunden von der Schweizer Grenze. Ich evaluiere Möglichkeiten, wie den am stärksten Betroffenen nun endlich wirksam und unbürokratisch geholfen werden kann.

Das alte Wohnzimmer ohne Wände und Decke, oben-rechts im Bild, hat längst Staub angesetzt. Ein neues ist nicht in Sicht. Von Wiederaufbau ist noch immer weit und breit keine Spur. Ein paar versprengte Soldaten sichern den Zugang zu einsturzgefährdeten Orten. Die Bauern haben sich längst selber geholfen. So konnte immerhin das Vieh den Winter einigermassen überstehen. Gespenstisch ruhig ist es hier. Läden und Gewerbebetriebe sind immer noch geschlossen. Jobs gibt es keine. Die aus den zerstörten Wohnungen vertriebenen Menschen harren entweder noch immer in temporären Unterkünften in der weiteren Umgebung, oder sie hausen in Wohnmobilen oder den wenigen provisorischen Unterkünften, die seither bereit gestellt wurden.

Wiedersehen im Kosovo

Liebe Grüsse aus dem Kosovo. Nach einem Workshop in Prizren gestern, hatte ich heute Zeit für mich und besuchte in Pristina mein ehemaliges Team, zum ersten Mal nach über 15 Jahren. Das war wie Heimkommen; in friedlicheren Zeiten. Herzlichen Dank für den schönen Empfang in der Schweizer Botschaft. Ihr seid immer noch grossartig.

Damals, 1999 und 2000, gingen wir nach der Arbeit hierhin:

Heute steht an dem Ort, was denn sonst, ein Döner…

Armes reiches Indien

In einem Slum von Delhi habe ich heute professionelle Abfallsammler besucht und mit ihnen eine PET-Reziklierstation eröffnet.
Vorgestern war ich noch in Bihar, einem der immer noch bettelarmen Bundesstaaten in dem prosperierenden Land. In einer abgelegenen Dalit-Siedlung (Dalit sind die Angehörigen der Kaste der „Unberührbaren“) lernte ich viel über Ungerechtigkeit und Überlebensstrategien unter schwierigsten Bedingungen.

Jetzt ist aber Essenszeit. Es wartet ein Teller Dal. Am besten schmeckt es mir aus dieser einfachen (aber sauberen) Strassenküche.

Hiram von Aleppo

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Hiram von Aleppo reiste im Bauch seiner Mutter auf einem Schlauchboot über die rauhe See. In Mytilini auf Lesbos wurde er am 29. Januar geboren. Er ist gesund und hat einen Bärenhunger. Willkommen Hiram.

Griechischer Herbst

Ich bin zurzeit sehr oft in Griechenland. Zurzeit auf Lesbos. Bei gutem Wetter sieht man von hier die nahe türkische Küste. Gestern sind auf der Überfahrt von dort wieder Flüchtlingsboote gekentert. Es kamen Menschen ums Leben. Kinder. Und Eltern von Kindern, die jetzt keine Eltern mehr haben. Es wäre ganz einfach gewesen, diese Leben zu retten. Mit regulären Fähren für Flüchtlinge von der Türkei nach Griechenland. Denn ab Griechenland sind die Transporte bis zur nächsten Grenze ja auch organisiert. Eine sichere Überfahrt will die Politik aber offensichtlich nicht ermöglichen. Damit spielt sie den illegalen Schlepperbanden in die Hände. Für die sind die Flüchtlinge ein Riesengeschäft.

Das Versagen der Politik wird zu noch mehr Unfällen und Toten führen. Schon bald, wenn das Wetter und das Meer im Winter unberechenbar werden. Und wir stehen jetzt im Oktober.

Ich selber versuche auf Lesbos und in Athen, für die kalten Monate wintersichere Unterkünfte für die meistgefährdeten Flüchtlinge zu organisieren. Dafür verhandle ich hier mit UN-Organisationen, lokalen Hilfswerken und wichtigen Vertretern der griechischen Wirtschaft, insbesondere aus dem Tourismus- und Hotelgewerbe. Im Winter stehen viele Hotels und Resorts auf den ägäischen Inseln leer. Sie in dieser Zeit für die Unterbringung von Flüchtlingen zu nutzen, ist auch für diese Betriebe gut, schafft Umsatz, Arbeitsplätze und Einkommen. Die ansässige Bevölkerung, ihre Wirtschaft und damit den lokalen Arbeitsmarkt in die Flüchtlingshilfe einzubeziehen und daran zu beteiligen, ist wichtig für den Erhalt der Solidarität der einheimischen Bevölkerung und der Akzeptanz der Flüchtlinge. Denn nicht vergessen: den Griechinnen und Griechen geht es selber nicht gut. Die Spuren der schweren Finanzkrise und ihrer sozialen Folgen sind hier auf Schritt und Tritt sichtbar.

Flüchtlinge nicht verklären, bitte

Ich grüsse aus Idomeni, dem Grenzübergang von Griechenland nach Mazedonien auf der Flüchtlings-Balkanroute, wo ich mich gerade befinde und in mein Notizbuch schreibe:

Hört auf, die Flüchtlinge zu verklären! Macht sie nicht schlechter, aber auch nicht besser, als sie sind. Es gibt sympathische und unsympathische, hochgescheite und strohdumme, ehrliche und unehrliche, politische und unpolitische, religiöse und solche die darauf pfeifen, richtig arme Schlucker, die sich in der Welt nicht zurecht finden und auch solche, die sich auf ihrer Reise nach „good country Germany“ auch gerne mal einen Reiseabschnitt per Flugzeug leisten.
Die beiden Kerle im Bild, zum Beispiel, sind zwei Freunde aus Syrien, sympathische Typen, die das Land per Auto verliessen und in Beirut, Libanon einen Flieger in die Türkei bestiegen. Von dort ging es per Touristenfähre nach Samos und weiter nach Piräus und Athen. Erst dort bestiegen sie einen sogenannten ‚Refugee-Shuttle‘ hierher, an die mazedonische Grenze. Ich habe die beiden gestern getroffen. Mittlerweile sind sie weiter gezogen und werden bald auch Mazedonien und Serbien verlassen haben. Wahrscheinlich sitzen sie dann in einer Kebab-Bude in Wien und warten auf den Zug nach München. Empörend? Nein. Die Reise auf dem ordentlichen Luft-, Wasser- und Schienenweg ist deutlich billiger und sicherer, als die lebensgefährlichen Trips, die die Schlepperindustrie zu Wucherpreisen verkauft.

Next Stop Kabul

Wieder mal die Koffer packen. Diesmal für Kabul. Von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit wurde ich eingeladen, die Kommunikation der zivilen Niederlassungen der Bundesrepublik in Afghanistan zu begutachten und Empfehlungen für Optimierungen auszuarbeiten.

Die Situation in Afghanistan ist nicht nur komplex und explosiv, sie verändert sich auch immer wieder, ist ungeheuer dynamisch. Ausländische Hilfsorganisationen müssen dem Rechnung tragen und ihre Programme, die Methoden und Instrumente, die Logistik, aber auch die eigenen Strukturen immer wieder überprüfen und wo notwendig, anpassen. Es liegt ein anspruchsvolles, spannendes und wichtiges Projekt auf meinem Pult. Ich freue mich darauf.