Flüchtlinge nicht verklären, bitte

Ich grüsse aus Idomeni, dem Grenzübergang von Griechenland nach Mazedonien auf der Flüchtlings-Balkanroute, wo ich mich gerade befinde und in mein Notizbuch schreibe:

Hört auf, die Flüchtlinge zu verklären! Macht sie nicht schlechter, aber auch nicht besser, als sie sind. Es gibt sympathische und unsympathische, hochgescheite und strohdumme, ehrliche und unehrliche, politische und unpolitische, religiöse und solche die mit Religion nichts anfangen können, richtig arme Schlucker, die sich in der Welt nicht zurecht finden und auch solche, die sich auf ihrer Reise nach „good country Germany“ auch gerne mal einen Reiseabschnitt per Flugzeug leisten.
Die beiden Kerle im Bild, zum Beispiel, sind zwei Freunde aus Syrien, sympathische Typen, die das Land per Auto verliessen und in Beirut, Libanon einen Flieger in die Türkei bestiegen. Von dort ging es per Touristenfähre nach Samos und weiter nach Piräus und Athen. Erst dort bestiegen sie einen sogenannten ‚Refugee-Shuttle‘ hierher, an die mazedonische Grenze. Ich habe die beiden gestern getroffen. Mittlerweile sind sie weiter gezogen und werden bald auch Mazedonien und Serbien verlassen haben. Wahrscheinlich sitzen sie dann in einer Kebab-Bude in Wien und warten auf den Zug nach München. Empörend? Nein. Die Reise auf dem ordentlichen Luft-, Wasser- und Schienenweg ist deutlich billiger und sicherer, als die lebensgefährlichen Trips, die die Schlepperindustrie zu Wucherpreisen verkauft.

Hundert Schulen für Sindhulpalchok

Diesen Frühling bebte in Nepal immer wieder die Erde. Das stärkste Beben am 25. April erreichte Magnitude 7.8 und war spürbar bis Nordindien, Tibet, China, Pakistan und Bangladesch. Fast 9000 Menschen starben, unzählige Familien verloren ihr Haus und ihr Auskommen. Ich war sechs Wochen in Nepal und koordinierte die Hilfe eines Schweizer Hilfswerks. Gegen hundert provisorische Schulen, in sechs teilweise komplett zerstörten Gemeinden, konnten in dieser Zeit, rechtzeitig vor dem grossen Regen, gebaut, hergerichtet und den Kindern und ihren Lehrerinnen und Lehrern übergeben werden. Damit ist wieder ein Stück normaler Alltag zurückgekehrt. Fast viertausend Familien in abgelegenen Dörfern erhielten ausserdem starkes Wellblech, um ihre schwer beschädigten Häuser decken zu können und sich selber so bis zum definitiven Wiederaufbau nach dem Monsun vor Wind und Wetter zu schützen.

Next Stop Kabul

Wieder mal die Koffer packen. Diesmal für Kabul. Ich wurde von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit eingeladen, die Kommunikation der zivilen Niederlassungen der Bundesrepublik in Afghanistan zu begutachten und Empfehlungen für Optimierungen auszuarbeiten.

Die Situation in Afghanistan ist nicht nur komplex und explosiv, sie verändert sich auch immer wieder, ist ungeheuer dynamisch. Ausländische Hilfsorganisationen müssen dem Rechnung tragen und ihre Programme, die Methoden und Instrumente, die Logistik, aber auch die eigenen Strukturen immer wieder überprüfen und wo notwendig, anpassen. Es liegt ein anspruchsvolles, spannendes und wichtiges Projekt auf dem Pult.