Communications oder nur Communication?

Wie schreibt sich „Kommunikation“ auf Englisch? Communications, also mit ’s‘ am Ende, oder ohne ’s‘, also Communication? Ich schreibe es ohne ’s‘ und werde deshalb gelegentlich – auch von Kommunikationsprofis – darauf hingewiesen und belehrt, dass das falsch sei. Kommunikation sei ein vielfältiges Geschäft, das ’s‘ würde das ausdrücken.

Zum Mitschreiben, liebe Kolleginnen und Kollegen: You are wrong.

Und weil mir immer wieder PR-, Werbe- oder Marketingagenturen auffallen, die das ’s‘ verwenden, hier ein kleiner Crashkurs von meiner Seite. Weil es ja schon ein bisschen peinlich ist, wenn man die eigene Kernkompetenz falsch schreibt, oder?

Also: Das da ist Communication, die ohne ’s‘:

Communication ist, was wir tun. Es meint die Verbreitung und den Austausch von Nachrichten, Informationen, Botschaften durch Menschen und alles, was sie ausmacht; Herz, Hirn, Seele, Bauch, Hände und Füsse.

Communications, also mit ’s‘ ist das da:

Communications ist das System. Es ist die Technologie, die wir für die Verbreitung und den Austausch von Nachrichten, Informationen, Botschaften nutzen. Das Telefon, der Telefax (na gut, der vielleicht nicht mehr so oft), das Radiogerät, der Fernseher, der Computer, die Kabel, der Wireless-Router, die Antennen und so weiter und so weiter. Natürlich nutze ich diese schönen Dinge als Kunde auch, aber nicht als Anbieter. Ich entwickle, baue, verkaufe, warte oder flicke nichts dergleichen.

Alles klar? Wundbar.

Der Mond von Bethlehem

Liebe Grüsse aus Palästina. Diese Woche lasse ich mich im Westjordanland und der schönen Stadt Jerusalem über Projektfortschritte informieren, diskutiere offene Fragen und verhandle über nächste Schritte, Budgets und Kommunikationslinien. Die Reise führt mich in einen Traumatherapie-Lehrgang an einer Universität, in zwei Primarschulen, in ein landwirtschaftliches Forschungslabor und in ein aufstrebendes Fairtradeprojekt.

Heute war ein langer Tag. Jetzt ist Feierabend. In meiner Unterkunft in Bethlehem büschele ich noch kurz meine heutigen Notizen und lasse dann in Gedanken nochmals den gestrigen Abend an mir vorbeiziehen. Gestern war ich bei einer befreundeten einheimischen Familie zum Essen auf der Terrasse ihres Hauses in der hochgelegenen Altstadt, hier in Bethlehem, eingeladen. Der Blick von dort über die Stadt ist wundervoll. Und als die Sonne unterging, ist zwar nicht der Stern, aber der Vollmond aufgegangen. Zu dem Läuten der Kirchenglocken und dem Gesang des Muezzins, die beide gleichwertig zu dieser Stadt gehören.

Wiedersehen im Kosovo

Liebe Grüsse aus dem Kosovo. Nach einem Workshop in Prizren gestern, hatte ich heute Zeit für mich und besuchte in Pristina mein ehemaliges Team, zum ersten Mal nach über 15 Jahren. Das war wie Heimkommen; in friedlicheren Zeiten. Herzlichen Dank für den schönen Empfang in der Schweizer Botschaft. Ihr seid immer noch grossartig.

Damals, 1999 und 2000, gingen wir nach der Arbeit hierhin:

Heute steht an dem Ort, was denn sonst, ein Döner…

Griechischer Herbst

Ich bin zurzeit sehr oft in Griechenland. Zurzeit auf Lesbos. Bei gutem Wetter sieht man von hier die nahe türkische Küste. Gestern sind auf der Überfahrt von dort wieder Flüchtlingsboote gekentert. Es kamen Menschen ums Leben. Kinder. Und Eltern von Kindern, die jetzt keine Eltern mehr haben. Es wäre ganz einfach gewesen, diese Leben zu retten. Mit regulären Fähren für Flüchtlinge von der Türkei nach Griechenland. Denn ab Griechenland sind die Transporte bis zur nächsten Grenze ja auch organisiert. Eine sichere Überfahrt will die Politik aber offensichtlich nicht ermöglichen. Damit spielt sie den illegalen Schlepperbanden in die Hände. Für die sind die Flüchtlinge ein Riesengeschäft.

Das Versagen der Politik wird zu noch mehr Unfällen und Toten führen. Schon bald, wenn das Wetter und das Meer im Winter unberechenbar werden. Und wir stehen jetzt im Oktober.

Ich selber versuche auf Lesbos und in Athen, für die kalten Monate wintersichere Unterkünfte für die meistgefährdeten Flüchtlinge zu organisieren. Dafür verhandle ich hier mit UN-Organisationen, lokalen Hilfswerken und wichtigen Vertretern der griechischen Wirtschaft, insbesondere aus dem Tourismus- und Hotelgewerbe. Im Winter stehen viele Hotels und Resorts auf den ägäischen Inseln leer. Sie in dieser Zeit für die Unterbringung von Flüchtlingen zu nutzen, ist auch für diese Betriebe gut, schafft Umsatz, Arbeitsplätze und Einkommen. Die ansässige Bevölkerung, ihre Wirtschaft und damit den lokalen Arbeitsmarkt in die Flüchtlingshilfe einzubeziehen und daran zu beteiligen, ist wichtig für den Erhalt der Solidarität der einheimischen Bevölkerung und der Akzeptanz der Flüchtlinge. Denn nicht vergessen: den Griechinnen und Griechen geht es selber nicht gut. Die Spuren der schweren Finanzkrise und ihrer sozialen Folgen sind hier auf Schritt und Tritt sichtbar.

Flüchtlinge nicht verklären, bitte

Ich grüsse aus Idomeni, dem Grenzübergang von Griechenland nach Mazedonien auf der Flüchtlings-Balkanroute, wo ich mich gerade befinde und in mein Notizbuch schreibe:

Hört auf, die Flüchtlinge zu verklären! Macht sie nicht schlechter, aber auch nicht besser, als sie sind. Es gibt sympathische und unsympathische, hochgescheite und strohdumme, ehrliche und unehrliche, politische und unpolitische, religiöse und solche die darauf pfeifen, richtig arme Schlucker, die sich in der Welt nicht zurecht finden und auch solche, die sich auf ihrer Reise nach „good country Germany“ auch gerne mal einen Reiseabschnitt per Flugzeug leisten.
Die beiden Kerle im Bild, zum Beispiel, sind zwei Freunde aus Syrien, sympathische Typen, die das Land per Auto verliessen und in Beirut, Libanon einen Flieger in die Türkei bestiegen. Von dort ging es per Touristenfähre nach Samos und weiter nach Piräus und Athen. Erst dort bestiegen sie einen sogenannten ‚Refugee-Shuttle‘ hierher, an die mazedonische Grenze. Ich habe die beiden gestern getroffen. Mittlerweile sind sie weiter gezogen und werden bald auch Mazedonien und Serbien verlassen haben. Wahrscheinlich sitzen sie dann in einer Kebab-Bude in Wien und warten auf den Zug nach München. Empörend? Nein. Die Reise auf dem ordentlichen Luft-, Wasser- und Schienenweg ist deutlich billiger und sicherer, als die lebensgefährlichen Trips, die die Schlepperindustrie zu Wucherpreisen verkauft.

Next Stop Kabul

Wieder mal die Koffer packen. Diesmal für Kabul. Von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit wurde ich eingeladen, die Kommunikation der zivilen Niederlassungen der Bundesrepublik in Afghanistan zu begutachten und Empfehlungen für Optimierungen auszuarbeiten.

Die Situation in Afghanistan ist nicht nur komplex und explosiv, sie verändert sich auch immer wieder, ist ungeheuer dynamisch. Ausländische Hilfsorganisationen müssen dem Rechnung tragen und ihre Programme, die Methoden und Instrumente, die Logistik, aber auch die eigenen Strukturen immer wieder überprüfen und wo notwendig, anpassen. Es liegt ein anspruchsvolles, spannendes und wichtiges Projekt auf meinem Pult. Ich freue mich darauf.