Teamspirit

Kurzreise nach Delhi. Professionelle einheimische Entwicklungsteams aus Indien, Bangladesch, Nepal, Kambodscha und Tadschikistan, haben sich eine Woche lang mit den Entwicklungen in Zentral- und Südasien auseinandergesetzt, Trends analysiert und Handlungszenarien entworfen.

Dann hat es noch für den Besuch einer Veranstaltung des indischen Forums der Hausangestellten gereicht. Fast jede Familie in Indien, die es sich leisten kann, hält Hauspersonal, meistens Frauen. Die Arbeits- und Lebensbedingungen der Hausgangestellten sind oft unerträglich schlecht. Das Forum ist eine Art Gewerkschaft, gegründet und geleitet von (ehemaligen) Hausangestellten, welche die Bedingungen verbessern und den Hausangestellten zur Anerkennung als Berufsstand verhelfen wollen.

Wie nach Hause kommen

Bosnien-Herzegowina. Endlich bin ich wieder einmal da. Nach so vielen Jahren. Neben meinem offiziellen Reiseprogramm reichte es auch für den einen oder anderen freundschaftlichen Besuch. Bei den Kolleginnen und Kollegen von früher. Fast zwanzig Jahre ist es her, seit ich das schöne, aber damals traurige Land verlassen habe.

Auf dem Spaziergang durch das Zentrum von Sarajevo komme ich an der Nationalgalerie vorbei, die damals, Ende der Neunziger Jahre, eines der süssesten pièces de résistance unserer Arbeit, unmittelbar nach dem Krieg, war.

Was in Sarajevo den Abschied leicht macht, ist dieser Brunnen. Wer von ihm trinke, heisst es, kehre zurück in die magische Stadt.

Stimmt.

Der Mond von Bethlehem

Über Bethlehem ist heute nicht der Stern, aber der Vollmond aufgegangen. Die Kirchenglocken und der Muezzin rufen gleichsam zur Besinnung.

Erdbeben Italien: Aus den Medien aus dem Sinn

Lokaltermin in Mittelitalien, acht Monate nach den Erdbeben im letzten Sommer und nur fünf Autostunden von der Schweizer Grenze. Das alte Wohnzimmer hat Staub angesetzt. Ein neues ist nicht in Sicht. Von Wiederaufbau weiterhin weit und breit keine Spur. Ein paar versprengte Soldaten sichern den Zugang zu einsturzgefährdeten Orten. Die Bauern haben sich selber geholfen. So hat das Vieh den Winter überlebt. Gespenstisch ruhig ist es. Läden und Gewerbebetriebe sind immer noch geschlossen. Jobs gibt es keine. Die aus den zerstörten Wohnungen vertriebenen Menschen harren entweder noch immer in temporären Unterkünften in der weiteren Umgebung aus, oder sie hausen in Wohnmobilen oder den wenigen provisorischen Unterkünften, die seither bereit gestellt wurden.

Wiedersehen im Kosovo

Liebe Grüsse aus dem Kosovo. Heute hatte ich Zeit für mich und besuchte in Pristina mein ehemaliges Team, zum ersten Mal nach über 15 Jahren. Das war wie Heimkommen; in friedlicheren Zeiten. Herzlichen Dank für den schönen Empfang. Ihr seid immer noch grossartig.

Damals, 1999 und 2000, gingen wir nach der Arbeit hierhin:

Heute steht an dem Ort, was denn sonst, ein Döner…

Armes reiches Indien

In einem Slum von Delhi habe ich heute professionelle Abfallsammler besucht und mit ihnen eine PET-Reziklierstation eröffnet.

Vorgestern war ich noch in Bihar, einem der immer noch bettelarmen Bundesstaaten in dem prosperierenden Land. In einer abgelegenen Dalit-Siedlung (Dalit sind die benachteiligten sog. „Unberührbaren“) lernte ich viel über Ungerechtigkeit und Überlebensstrategien unter schwierigsten Bedingungen.

Jetzt ist aber Essenszeit. Es wartet ein Teller Dal. Am besten schmeckt es mir aus dieser einfachen (aber sauberen) Strassenküche.

Hiram von Aleppo

Hiram1

Hiram von Aleppo reiste im Bauch seiner Mutter auf einem Schlauchboot über die rauhe See. In Mytilini auf Lesbos wurde er am 29. Januar geboren. Er ist gesund und hat einen Bärenhunger. Willkommen Hiram.

Flüchtlinge nicht verklären, bitte

Randnotiz aus Idomeni, dem Grenzübergang von Griechenland nach Mazedonien auf der Balkanroute, wo ich mich gerade befinde:
Flüchtlinge nicht verklären. Nicht besser aber auch nicht schlechter machen, als sie sind. Was sie von uns unterscheidet ist vor allem, dass uns gern die Angst plagt, unser schönes Leben könnte vielleicht dereinst in Gefahr geraten, während sie sich gerade um die eigene Haut sorgen und hoffen, den nächsten Tag erleben zu dürfen. Aber sonst? Es sind Menschen, wie wir anderen alle auch. Es gibt sympathische und unsympathische, gescheite und dumme, ehrliche und unehrliche, politische und unpolitische, religiöse und nicht religiöse, richtig arme Schlucker, die sich in der Welt nicht zurecht finden und auch solche, die sich auf ihrer Reise nach „good country Germany“ auch gerne mal einen Reiseabschnitt per Flugzeug leisten.
Die beiden Kerle im Bild. zum Beispiel. sind zwei Freunde aus Syrien, sympathische Typen, die das Land per Auto verliessen und in Beirut, Libanon einen Flieger in die Türkei bestiegen. Von dort ging es per Touristenfähre nach Samos und weiter nach Piräus und Athen. Erst dort bestiegen sie einen Refugee-Shuttle nach Idomeni an die mazedonische Grenze. Ich habe die beiden gestern getroffen. Mittlerweile sind sie weiter gezogen und werden bald auch Mazedonien und Serbien verlassen haben. Wahrscheinlich sitzen sie dann in einer Kebab-Bude in Wien und warten auf den Zug nach München. Empörend? Nein. Die Reise auf dem ordentlichen Luft-, Wasser- und Schienenweg ist zigmal billiger und sicherer, als die lebensgefährlichen Wuchertrips der Schlepperindustrie.

Grenze zu, fertig Schluss

Ich war die letzten Tage in Ungarn. Seit dem 15. September ist das Land nun geschlossen. Ein Zaun, viel Stacheldraht, Polizei und Militär sichern die Grenze mit Serbien. Von dort kommt die Gefahr, kommen die Flüchtlinge, die Völker aus dem Orient, auf dem Weg nach Europa, nach Deutschland vor allem. Für die ungarische Politik, die gerade das Sagen hat, scheint dies die grösste Bedrohung des Landes zu sein, seit dem Einmarsch der Russen im Herbst 1956. Dass damals Hunderttausende Ungarn ebenfalls nach Westen flohen und mit offenen Armen aufgenommen wurden, ist vorbei und vergessen, alte Kamellen.
Bis zum 15. September durchquerten zigtausende Flüchtlinge aus Syrien, aber auch aus Irak, Afghanistan, Pakistan, Libyen und Nigeria das Land. Die meisten blieben tagelang im ungarisch-serbischen und dem ungarisch-österreichischen Grenzland sowie am Budapester Ostbahnhof Keleti hängen.
Seit dem 15. September ist Ungarn nun also geschlossen und ich wieder in der Schweiz. Wir müssen die Hilfe neu organisieren. Auf welchen Routen, durch welche Länder werden die Flüchtlinge jetzt kommen? Wie werden diese Länder – im Moment Kroatien und Slowenien, bald vielleicht auch andere – damit umgehen. Wo wird morgen und übermorgen Hilfe benötigt? Sicher ist nur. Ein Grenzzaun kann den Strom nicht aufhalten.

Hundert Schulen für Sindhulpalchok

Sechs Wochen hat mein Job in Nepal gedauert. Gegen hundert provisorische Schulen, in sechs vom Erdbeben teilweise komplett zerstörten Gemeinden der Provinz Sindhulpackok, konnten wir in dieser Zeit gerade noch rechtzeitig vor dem grossen Regen bauen, herrichten und den Kindern und ihren Lehrerinnen und Lehrern übergeben. Damit ist in diesen Gemeinden wieder ein Stück wichtiger normaler Alltag zurück gekehrt. Fast viertausend Familien in abgelegenen Dörfern erhielten überdies starkes Wellblech, um ihre schwer beschädigten Häuser decken zu können und sich selber so bis zum definitiven Wiederaufbau nach dem Monsun vor Wind und Wetter zu schützen. Die Erdbeben-Hilfe, für die ich unterwegs bin, ist eine Kooperation von Caritas Schweiz mit Helvetas und der Glückskette.

Der Dank für die gute Arbeit im Feld gehört unserem kleinen aber grossartigen nepalesischen Team und den vielen Freiwilligen in den Gemeinden.