Flüchtlinge nicht verklären, bitte

Ich grüsse aus Idomeni, dem Grenzübergang von Griechenland nach Mazedonien auf der Flüchtlings-Balkanroute, wo ich mich gerade befinde und in mein Notizbuch schreibe:

Hört auf, die Flüchtlinge zu verklären! Macht sie nicht schlechter, aber auch nicht besser, als sie sind. Es gibt sympathische und unsympathische, hochgescheite und strohdumme, ehrliche und unehrliche, politische und unpolitische, religiöse und solche die mit Religion nichts anfangen können, richtig arme Schlucker, die sich in der Welt nicht zurecht finden und auch solche, die sich auf ihrer Reise nach „good country Germany“ auch gerne mal einen Reiseabschnitt per Flugzeug leisten.
Die beiden Kerle im Bild, zum Beispiel, sind zwei Freunde aus Syrien, sympathische Typen, die das Land per Auto verliessen und in Beirut, Libanon einen Flieger in die Türkei bestiegen. Von dort ging es per Touristenfähre nach Samos und weiter nach Piräus und Athen. Erst dort bestiegen sie einen sogenannten ‚Refugee-Shuttle‘ hierher, an die mazedonische Grenze. Ich habe die beiden gestern getroffen. Mittlerweile sind sie weiter gezogen und werden bald auch Mazedonien und Serbien verlassen haben. Wahrscheinlich sitzen sie dann in einer Kebab-Bude in Wien und warten auf den Zug nach München. Empörend? Nein. Die Reise auf dem ordentlichen Luft-, Wasser- und Schienenweg ist deutlich billiger und sicherer, als die lebensgefährlichen Trips, die die Schlepperindustrie zu Wucherpreisen verkauft.

Liebe Grüsse, Fred Lauener