Der Mond von Bethlehem

Liebe Grüsse aus Palästina. Diese Woche lasse ich mich im Westjordanland und der schönen Stadt Jerusalem über Projektfortschritte informieren, diskutiere offene Fragen und verhandle über nächste Schritte, Budgets und Kommunikationslinien. Die Reise führt mich in einen Traumatherapie-Lehrgang an einer Universität, in zwei Primarschulen, in ein landwirtschaftliches Forschungslabor und in ein aufstrebendes Fairtradeprojekt.

Heute war ein langer Tag. Jetzt ist Feierabend. In meiner Unterkunft in Bethlehem büschele ich noch kurz meine heutigen Notizen und lasse dann in Gedanken nochmals den gestrigen Abend an mir vorbeiziehen. Ich war bei einer befreundeten einheimischen Familie zum Essen auf der Terrasse ihres Hauses in der hochgelegenen Altstadt eingeladen. Der Blick von dort über die Stadt ist wundervoll. Und als die Sonne unterging, ist zwar nicht der Stern von Bethlehem, aber der Vollmond aufgegangen. Zu dem Läuten der Kirchenglocken und dem Gesang des Muezzins, die beide gleichwertig zu dieser Stadt gehören.

Erdbeben Italien: Aus den Medien aus dem Sinn

Lokaltermin in Mittelitalien, acht Monate nach den Erdbeben im letzten Sommer und nur fünf Autostunden von der Schweizer Grenze. Ich evaluiere Möglichkeiten, wie den am stärksten Betroffenen wirksam und unbürokratisch geholfen werden kann.

Das alte Wohnzimmer ohne Wände und Decke, oben-rechts im Bild, steht sinnbildlich für den Schlendrian der italienischen Behörden. Von Wiederaufbau ist noch immer weit und breit keine Spur. Ein paar versprengte Soldaten sichern den Zugang zu einsturzgefährdeten Orten. Die Bauern haben sich längst selber geholfen. So konnte immerhin das Vieh den Winter einigermassen unbeschadet überstehen. Gespenstisch ruhig ist es hier. Läden und Gewerbebetriebe sind immer noch geschlossen. Jobs gibt es keine. Die aus den zerstörten Wohnungen vertriebenen Menschen harren entweder noch immer in temporären Unterkünften in der weiteren Umgebung, oder sie hausen in Wohnwagen oder den wenigen provisorischen Unterkünften, die seither bereit gestellt wurden.

Wiedersehen im Kosovo

Liebe frühere Kolleginnen im Kosovo. Nach einem Workshop gestern in der Stadt Prizren, hatte ich heute Zeit und besuchte euch, mein ehemaliges Team in Pristina, zum ersten Mal nach über 15 Jahren. Herzlichen Dank für den schönen Empfang in der Schweizer Botschaft. Ihr seid immer noch grossartig.

P.S.: Damals, 1999 und 2000, gingen wir nach der Arbeit hierhin:

Heute steht an dem Ort, was denn sonst, ein Döner…

Armes reiches Indien

In einem Slum von Delhi habe ich heute professionelle Abfallsammler besucht und mit ihnen eine PET-Reziklierstation eröffnet.
Vorgestern war ich noch in Bihar, einem der immer noch bettelarmen Bundesstaaten in dem prosperierenden Land. In einer abgelegenen Dalit-Siedlung (Ureinwohner Indiens, Kaste der „Unberührbaren“) lernte ich viel über Ungerechtigkeit und Überlebensstrategien unter schwierigsten Bedingungen.

Nun ist Essenszeit. Es wartet ein Teller Dal. Am besten schmeckt dieses herrliche Linsengericht aus einfachen (aber sauberen) Strassenküchen; einer wie dieser.