Einmal kurz die Welt retten

In der aktuellen Weihnachtszeit füllen sich unsere Briefkästen wieder mit Spendenbriefen. Die Tessiner Zeitung wollte von mir wissen, wie man damit am besten umgeht, wem man getrost spenden kann und wem eher nicht. Hier geht es zum Artikel.

Wer die Corona-Prüfung bestanden hat

Die Kehrichtmänner haben bestanden.
Das Spitalpersonal hat bestanden.
Die Soldaten im Spital auch.
Das Wasserwerk und die Stromversorgung haben bestanden.
Die Schulen haben bestanden.
Vor allem die Lehrpersonen und ihre Klassen.
Die Bauern und Bäcker haben bestanden.
Aber nicht die Grossverteiler und Onlinehändler.
Die Alten haben bestanden.
Viele Pflegeheime aber nicht.
Ein paar Medien haben bestanden.
Die sozialen Medien gehören nicht dazu.
Einzelne Politikerinnen und Politiker haben bestanden.
Es gibt Arbeitgeber, die bestanden haben.
Meine Familie hat bestanden.
Meine Freundschaften haben bestanden.
Nicht ganz alle, aber fast.
Meine Nachbarn haben bestanden.
Meine Katze hat bestanden.
Mein altes Velo hat bestanden.
Die Meisten haben bestanden.
Bestanden haben ausserdem alle, die nicht auf andere zeigten, weil sie verstanden haben, dass Überforderung keine Schande ist. Dass in der Krise die Überforderung der einzige gemeinsame Zustand ist, der uns alle verbindet. Und trennt.

Libyen: Erinnerung an die Aktualität

Februar 2015. Die IS-Terrormiliz köpft 21 christliche Arbeiter in Libyen. Die Geschichte wiederholt sich. Erst vier Jahre ist es her. Februar 2011. Ausländische Arbeiter werden vom libyschen Mob als Gaddafi-Kollaborateure gejagt und gelyncht. Hunderttausende fliehen. Die Zollstationen der Nachbarländer werden zu behelfsmässigen Schutzräumen und Flüchtlingsunterkünften. Wie hier in in Salloum, Ägypten. 2011 unterstützte ich hier im Sinne eines Backstopping-Mandats die humanitären Aktionen der US-amerikanischen Hilfsorganisation CRS.

Salloum_Zollstation2

In Salloum gibt es einen kleinen Hafen, einen Markt, eine Poststation, eine Apotheke und einen grossen Soldatenfriedhof, der an die Schlacht der britischen Krone gegen die deutsch-italienischen Truppen im zweiten Weltkrieg erinnert. Das imposante Kreuz ist von weit her sichtbar. Es hat das Meer im Rücken und die libysche Wüste im Blick.

Wie damals 2011, ist auch jetzt wieder viel los in Salloum. Wer kann, verlässt das Land.

Salloum_Ausreise1

Das Chaos hat seit dem Aufstand gegen die Gaddafi-Tyrannei nie aufgehört. Heute gehört die öffentliche Plattform auch in Libyen dem IS und seinen mediengerecht inszenierten Grausamkeiten. Abseits der Kameras wächst eine verlorene Generation heran. Irgendwann werden auch diese Kids erwachsen sein. Und dann?

Salloum_Kinder